Mittwoch, 16. Mai 2012 - , 5 Kommentare

Von fruchtbaren Leerzeichen


Kleine fruchtbare Beilage aus dem Schreiberleben:

Eine wirklich entspannende Korrekturaufgabe ist das Suchen & Ersetzen im Manuskript. Heute wurde ich dabei postiv überrascht, denn es fanden sich nur 14 Stellen im Text, an denen ich aus Versehen zwei Leerzeichen getippt hatte. Das ist überraschend wenig.
Fünf Stellen deckte ich auf, bei denen das Wort furchtbar durch einen Dreher zu fruchtbar wurde. Da bekommt der Text eine unfreiwillige Komik.
Dann wurde ich übermütig und suchte nach dem Wort ›viel‹. Das hätte ich besser nicht getan. Es gibt viel zu vieleViels‹ in meinem Text. Nicht nur vielleicht, sondern ganz bestimmt.
Wenn jemand einen guten Tipp hat, welche Wörter sich noch übermässig und überflüssigerweise fortpflanzen oder verdrehen, der darf sie mir gerne sagen. Ich jage es dann mal durch das Programm.  Man hat ja sonst so wenig zu lachen.;)

Liebe Grüße
Nikola
Dienstag, 15. Mai 2012 - , 5 Kommentare

1 Cent pro Seite?


Mit der Preisfrage für mein E-Book hadere ich immer noch. Wenn ich so durch den Kindleshop stöbere, fällt mir auf, dass ein Gros der Selfpublisher ihre Romane für 2,99 € anbieten. Meist sind es Bücher, deren Umfang unter 300 Normseiten liegt.
Mir ist das zu billig.
Ich frage mich, ob man Kritiker nicht geradezu einlädt, über das Buch herzufallen. Ganz nach dem Motto: Was billig ist, ist auch nichts.
Mit einem höheren Preis hebt man sich deutlich ab. Das kann man positiv und negativ sehen. Mag sein, dass man sich der Kritik aussetzt, zu gierig zu sein. Aber wenn man schon seine eigene Arbeit nicht wertschätzt, wieso sollten es dann die Leser tun? Man muss preisbewusst sein. Sich selbst bewusst sein, welchen Preis die eigene Arbeit wert ist.
Ursprünglich hatte mein Roman einen Umfang von 706 Seiten. Nach der letzten Korrekturrunde ist er nun auf ca. 530 Seiten abgemagert. Die Geschichte hat dadurch nur gewonnen. Sie ist straffer, hat viel mehr Zug. Ist es also unverschämt, einen Preis von einem Cent pro Seite zu verlangen? Ich denke nicht.
4,99 € ist immer noch sehr günstig. Für denselben Preis bekomme ich am Kiosk eine Wohnzeitschrift. Sie sieht toll aus, ist aber in wenigen Minuten durchgeblättert. Kein Mensch beschwert sich über mangelnden Content.
Bei unserem Bäcker bekomme ich dafür gerade mal ein Brot. Daran hat er eine halbe Stunde geknetet bzw. kneten lassen.
Im Gartencenter erhalte ich für 5,- € eine Topfpflanze. Sie wurde mit Düngemittel vollgestopft und in kürzester Zeit hochgezogen. Wenn ich Pech habe, geht sie ein.
Bei McDonald`s kann ich mir für das Geld einen BigMac und eine Cola runterwürgen, und anschließend ist mir schlecht.
So gesehen ist die Investition in ein E-Book wesentlich preiswerter. ;)

Liebe Grüße
Nikola
Montag, 14. Mai 2012 - , , , , 8 Kommentare

Cover-Outtakes

Etliche Entwürfe wurden bereits in den Mülleimer gestopft. Da sich aber meine Titelwahl nun komplett geändert hat, kann ich einen kleinen Einblick in die Cover geben, die ich zwar nicht weggeworfen, zumindest aber verworfen habe.
So leicht, wie man vermuten mag, ist die Erstellung nämlich nicht. Es gilt einige Punkte zu beachten:

  1. Welche Zielgruppe möchte ich damit ansprechen? (Alter, Geschlecht, Bildungsstand etc.)
  2. Was würde dieser Zielgruppe gefallen? (Action, Romantik, leichter Schauder, Witz etc., Farbgestaltung?)
  3. Was kommt im Buch vor, und ließe sich evtl. auch symbolisch darstellen?
  4. Was kann ich mir an Lizenzen leisten? (Shutterstock, iStockphoto etc.)
  5. Was könnte man für einen zweiten und dritten Band verwenden, damit der Wiedererkennungseffekt greift?
  6. Welches Cover eignet sich in abgewandelter Form für Werbung? (Banner, Background, Postkartendruck etc.)
  7. Wie könnte ein Trailer aussehen, der dazu passt, es vielleicht sogar wiederspiegelt?
  8. Welches Cover sieht auch noch auf Briefmarkengröße geschrumpft ansprechend und lesbar aus?
  9. Wie wirkt es in Schwarz-weiß?
  10. Passt es überhaupt zum Genre? Welche Erwartungen weckt das Bild? Stimmung?
  11. Ist der Hintergrund auch nicht zu hell, so dass er mit dem Background bei Amazon nicht verschmilzt?
  12. Steht der Titel wirklich im Vordergrund und kann man ihn auch im schnellen Vorbeirauschen lesen?
  13. Macht das Bild neugierig und wirft vielleicht sogar Fragen auf?

Diese Entwürfe sind alle ausgeschieden, weil es bei diesen Punkten haperte:


Teilweise waren sie mir zu lieblich, zu verspielt, zu düster oder einfach zu langweilig. Es ist nur eine kleine Auswahl, insgesamt haben sich inzwischen an die 40 Entwürfe angesammelt. Das endgültige Cover sieht seltsamerweise komplett anders aus.
Es ist eine Komposition aus acht verschiedenen Bildebenen geworden. Sehr schlicht. Aber mein Auge hält es fest. Und auch der Titel ist nun ein anderer/ähnlicher.
Trotzdem war es ein interessantes Experiment, und ich habe viel dabei gelernt, auch über mein Buch.

Liebe Grüße
Nikola



Sonntag, 13. Mai 2012 - , , , 4 Kommentare

Kurzer Zwischenstand


Die Arbeit türmt sich gerade auf. Aber, was soll ich sagen, es macht irre Freude! Inzwischen ist mein Cover endgültig fertig. Da mein Wunschtitel (Rabenblut) bereits von einem Buch aus einem Spieleverlag besetzt wurde, musste ich mir etwas Neues überlegen. Und jetzt stelle ich fest, dass die notgedrungene Alternative mir sogar noch viel besser gefällt. Sie ist kantiger, weckt viel mehr Fragen, macht neugierig und klingt auch weniger nach Fantasy-Mythologie.
Leider muss ich sie noch für mich behalten. Das Risiko auf den letzten hundert Metern ist mir einfach zu groß.
Der Buchtrailer ist ebenfalls fertig. Ich sehe ihn mir täglich an, um in Stimmung zu kommen. Investiert habe ich dafür in Lizenzen für Fotos und auch für die wahnsinnig tolle Trailermusik. Er ist schlicht, aber sehr atmosphärisch. Das Lektorat ist ebenfalls fleißig und ich spiele so lange mit der Formatierung. Was zuerst sehr schwierig erschien, rutscht plötzlich ganz einfach durch.
Jetzt genieße ich die Vorfreude, ohne an die Folgen zu denken.

Und diese Jungs hier, machen mich gerade sehr glücklich:


Liebe Grüße
Nikola
Samstag, 12. Mai 2012 - , 5 Kommentare

Was übel ist


In manchen Foren sollte man sich nicht umsehen. Gerade was Selfpublishing betrifft, tummeln sich unglaublich viele Schreibende darin, die nur unqualifizierte Kommentare abladen. Das schockiert mich.
Da beschwert sich jemand, dass er von seiner Kurzgeschichte nur fünf Stück verkauft hat, dabei war der Titel ›Mein Leben mit Schwiegermutter‹ doch so interessant gewählt. Der Nächste will es mal mit einer Pornogeschichte versuchen, weil Sex ja immer geht. Wieder ein anderer weiß, dass Fantasy und Horror gerade ›in‹ sind. Horror fänd er gut, das würde er jetzt mal ausprobieren.
Aus welchem Grund schreibt so jemand? Weil er sich erhofft, ein paar schnelle Euros zu verdienen?
Grässlich, dass damit ein Shop zugemüllt wird. Für Schreibende, die nicht um der Geschichte willen schreiben, habe ich kein Verständnis. Natürlich hat man mit einem Auge immer die Zielgruppe im Blick, aber in erster Linie geht es um eine Geschichte, die unbedingt erzählt werden muss. Ohne Leidenschaft und Herzblut kann man auch andere Menschen nicht begeistern. Und man wirft auch keine Shortstory auf dem Markt, nur damit man schnell was auf der ›Autorenseite‹ vorzuweisen hat.
Wenn ich seit drei Jahren an einem Projekt arbeite, Tag und Nacht, und dabei mein Innerstes nach außen kehre, dann bestimmt nicht, um es im Galopp abzuwerfen. Da kann man nur hoffen, das die Leser nicht die Geduld verlieren und weiter nach Trüffeln graben. Die gibt es nämlich auch unter den Freelancern. Man darf nur nicht so viel Mist darüberschaufeln, dann findet man sie auch.

Liebe Grüße
Nikola
Mittwoch, 9. Mai 2012 - , , 3 Kommentare

Ich kann doch jetzt nicht essen


Es war schon nach eins. Der Laptop blies schon seit Stunden heiße Luft heraus und ich war gerade dabei, mich zu verwandeln, als mein Liebster aus der Küche nach mir brüllte.
Erst hörte ich ihn nicht, weil die menschliche Stimme kaum an mein Rabenohr dringen wollte. Hätte er gekrächzt, wäre das etwas anderes gewesen, aber so verschwammen seine Töne mit Rachmaninovs Vokalise, die gerade in meinem Ohr vibrierte.
»Essen ist fertig!«, rief er noch lauter.
»Ich hatte schon einen plattgefahrenen Igel!«, war ich versucht zurückzurufen, konnte mich aber gerade noch beherrschen. So ein Blödsinn! Auch die Walnüsse, die ich geknackt und verspeist hatte, entsprangen nur meiner Einbildung. Und dann wollte ich fliegen. Ruckartig schlug ich meine Flügel nach hinten und stieß mich ab. Über der Terrasse schwebend, sah ich meine Kinder um den Ketchup streiten. Das brachte mich zu Fall.
Himmel, ich hatte ja Mann und Kinder! Und Arme und Beine!
Schockiert klappte ich zusammen und plumpste auf den Gartenstuhl. Der Rabe, der gerade zum Komposthaufen segelte, keckerte albern. Und ich lachte, weil ich ihn verstand.
Lieber Gott, lass mich niemals aus diesem Schreibflow auftauchen!

Warum schreibe ich sowas in einen Blogpost? Weil ich völlig unterzuckert bin. Vor lauter Endorphinen komme ich nicht zum Essen. Ich ernähre mich momentan allein von meinen Helden. Was die Frage aufwirft, ob zum Schreiben eine Portion Fanatismus plus Wahnsinn gehört. Ich denke schon.

Liebe Grüße
Nikola
Sonntag, 29. April 2012 - , , , 5 Kommentare

Wer nicht wagt


Diesen Post schreibe ich mit heftigem Herzklopfen.
Selfpublishing war immer eine Option, die ich kategorisch abgelehnt habe. Ich wollte es ja ›schaffen‹, einen Agentur- und auch Verlagsvertrag ergattern, mich hocharbeiten. Eine richtige, ›echte‹ Autorin sein. 
Aber mittlerweile werde ich mürbe, weil ich die Warteposition nicht mehr einnehmen möchte, ich möchte - Quatsch! - ich WILL aktiv sein. Nicht aktiv im Sinne der ›großen Manuskriptverschickung‹ und anschließendem Buhlen und Betteln, nein. Ich will die Dinge selbst in die Hand nehmen, ausprobieren, wie weit mich meine eigenen Flügel tragen können. Sollte ich abstürzen, dann ist das zwar Pech, aber immer noch besser als niemals abgehoben zu haben. Was ich nicht brauche, sind Bedenkenträger, denn skeptisch bin ich selbst genug. 
Einmal mit der Möglichkeit gespielt, lässt mich der Gedanke einfach nicht mehr los. Ich kann nicht schlafen, nicht essen. Jede Minute wäge ich ab, grübel, schreibe innerlich Listen und verwerfe wieder. Und nun weiß ich sicher, dass ich es einfach ausprobieren MUSS. Weniger als jetzt kann ich nicht in der Hand halten, sollen die Leser doch entscheiden, nicht die Verleger.
In den letzten Tagen habe ich sehr viel korrigiert und geschrieben, und zur Entspannung an einem möglichen Buchcover gearbeitet. Nachdem ich 35 (!) Cover erstellt hatte, musste ich mir eingestehen, dass ich wohl mit mehr Ernst als Spaß bei der Sache bin. Und nun habe ich ein Bild vor Augen (nicht innerlich, sondern wirklich!), das genauso aussieht, wie ich es mir immer vorgestellt habe: das Bild von meinem Buch. Wow. 
Allein für dieses Gefühl, dieses Pochen im Bauch, lohnt sich die Arbeit. 


Liebe Grüße
Nikola

Samstag, 28. April 2012 - , , , , , 3 Kommentare

Teilen, teilen das macht Spaß


denn wenn man teilt hat jeder was. In diesem Fall hätte ich etwas davon:
Es macht wenig Sinn ein potentielles E-Book-Projekt abzuwägen, wenn man sich nicht genaue Gedanken über das Wie macht.

Mein Rabenblut-Manuskript ist sehr umfangreich, jetzt vor der aktuellen Überarbeitung 624 Normseiten. Würde ich das als Kindle-E-Book anbieten, dann kämen bei einer Dateigröße von 1,84 MB (pdf) auch höhere sogenannte ›Versandkosten‹ auf mich zu. Ist aber der Verkaufspreis zu hoch, dann greift der Leser nicht so gerne zu. Anstreben würde ich eigentlich einen Preis von 2,99 € (und das sind immer noch rein hypothetische Überlegungen!). Das hört sich für jahrelange Arbeit verdammt wenig an. Aber es bringt auch nichts, wenn der Preis abschreckt.

Es wäre zu überlegen, ob man das Manuskript nicht teilt und zwei Bücher daraus macht. Dann müsste ich einiges umschreiben, aber ich hätte auf einen Schlag zwei Bücher im virtuellen Regal.
Im Prinzip spräche nichts dagegen, vor allem, da die Geschichte (wenn auch mit abgeschlossenem Ende) von vorneherein als Mehrteiler ausgelegt war. Ich könnte mir nur vorstellen, dass einem Leser das auch übel nehmen könnten, weil es zu sehr auf den Profit geschielt ist. (Wobei man bei dem Stundenlohn auch nicht wirklich von Profit sprechen kann.)
Das alles sind Überlegungen, die mir eine Entscheidung nicht gerade leichter machen. Aber ich will mal nicht so laut stöhnen.;)

Liebe Grüße
Nikola
Freitag, 27. April 2012 - , , , 0 Kommentare

E-Book oder nicht?


Ich hadere mit mir. In den letzten Tagen denke ich vermehrt darüber nach, ob mein Weg der Richtige ist. Wenn ich wie geplant, erst das neue Manuskript fertigstelle und an die Agentur schicke, dann wird sich natürlich auch die Veröffentlichung meines Erstlings um Jahre hinauszögern.
Dabei handelt es sich aber nicht um ein ›zeitloses‹ Werk. Die Gefahr, dass dann kein Mensch mehr an diesem Genre interessiert sein wird, besteht. Ist vielleicht sogar wahrscheinlich. Und jetzt überlege ich ernsthaft, ›Rabenblut‹ auf den E-Book-Markt zu werfen. Natürlich nach einem professionellen Lektorat.
Ist es besser, ein Herzprojekt, in der Hoffnung auf ein wenig Profit, aus den Händen zu geben, oder sollte ich auf eine vernünftige Veröffentlichung warten/hoffen?
Es widerstrebt mir. Ich möchte, wie vermutlich jeder andere Autor auch, mein Manuskript als Buch in den Händen halten. Ich habe hart daran gearbeitet und Blut geschwitzt. Aber kann ich dann damit leben, dass es womöglich nur für die eigene Nachttischschublade geschah?
Nein. Kann ich nicht.
Weil ich mir nichts von der Seele schreibe. Ich schreibe nicht, damit es mir besser geht, sondern um Geschichten zu erzählen. Ich möchte unterhalten. Auch fesseln und faszinieren. Schreiben ist für mich keine Therapie. Und jetzt, wo der E-Book-Markt boomt, komme ich in Versuchung. Vielleicht ein paar Euro extra verdienen, vielleicht damit ein wenig Brotjob gegen Leidenschaft eintauschen. Vielleicht damit den Flow zurückgewinnen, Motivation aufsaugen.
Wenn ich aber eins in den letzten drei Jahren gelernt habe, dann ist es das Zögern, Zaudern, das Innehalten. Autor in Warteschleife sein, der im Salon zusieht, wie andere ihre Wäsche waschen. Rechts und links von mir bringen alle ihre Klamotten ins Trockene. Meine Maschine läuft. Und läuft. Und läuft.

Kategorie: Autorenfrust. Ganz klar.

Liebe Grüße
Nikola
Donnerstag, 5. April 2012 - , , 6 Kommentare

Wie ich dazu kam, Bücher zu essen


»Ich habe nichts anzuziehen!«, beklage ich mich bei meinem Liebsten, der gerade in der Badewanne liegt und diesem Gespräch nicht aus dem Weg gehen kann. Seine erste Reaktion nehme ich ihm deshalb auch nicht übel: Er taucht mit dem Kopf unter Wasser und tut so, als spüle er sich die Haare aus.
Nur besitzt er nicht mehr allzu viele davon, und die Dauer seines Tauchgangs lässt mein Herz schneller klopfen.
»Hast du gehört?«, frage ich, als er wieder auftaucht und sich den Finger ins Ohr bohrt.
»Nein«, antwortet er ungeniert und greift erneut nach dem Shampoo, quetscht eine Riesenmenge auf seine Handfläche und massierte es in die Kopfhaut ein.
»Ich habe gesagt, dass ich nichts zum Anziehen habe!«
»Wofür?«, fragt er gelangweilt.
»Na für die Kommunion!« Ich sage Kommulion, so wie das hier im Rheinland üblich ist. »Und wenn ich nichts Schickes habe, dann komme ich in die Bedrullie. (Ich weiß, dass es Bredouille heißt, aber auch das sagt hier niemand.)
»Wie wär`s, wenn du dich in eines deiner neuen Bücher einwickelst, die du gestern gekauft hast?«
Ich schnappe entgeistert nach Luft. »Was soll das denn heißen? Willst du etwa behaupten, dass ich zu viel Geld für Bücher ausgebe?«
Mein Liebster wählt diesen Moment, um seine Haare ein zweites Mal auszuspülen. Ich habe also Gelegenheit tief durchzuatmen und mir eine Strategie zurecht zu legen. 
»Im Kaufhof haben sie gerade Hosen im Angebot.«
»Aha.« Mein Liebster streckt den linken Fuß über Wasser und seift jede Zehe einzeln ein. »Wir müssen sparen«, erklärt er. So weit zu meiner Strategie.
Ich erinnere ihn daran, dass er erst gestern einen Riesenvorrat an Süßkram eingekauft hat. Wenn man sparen muss, dann doch am ehesten daran und nicht an Büchern!
»Essen ist ja wohl wichtiger als lesen!«, behauptet er, und ich ziehe mich schmollend zurück. 
Wenige Minuten später kommt mein Liebster in die Küche. Er duftet nach Seife. An seinem Hals rinnt ein letzter Wassertropfen hinab. Um ihn zu besänftigen, habe ich bereits den Tisch gedeckt und ein Bier aus dem Kühlschrank geholt. 
»Hast du frische Brötchen mitgebracht?«, fragt er mich und trifft mich unvorbereitet.
»Mist, das habe ich vergessen!« Hektisch krame ich im Schrank und suche nach Brot ohne grünen Flaumbelag. Es klingelt an der Tür. Eines der Kinder trägt ein monströses Paket in die Küche, auf dem in dicken Lettern Amazon prangt.
»Das sind sicher die Brötchen«, knurrt mein Liebster, reißt das Paket auf und knallt mir einen Krimi auf den Teller. 
So, und jetzt wisst Ihr, wie ich dazu kam, Bücher zu essen.


Liebe Grüße
Nikola